APH St. Barbara Lötschental
Betreuende und pflegende Angehörige stellen Fragen, wenn niemand erreichbar ist. Wir schon.
* inkl. Pilotnutzung Angehörige/Fachpersonen APHs, exploratorische Nutzung Projektnetzwerk und strukturierte Testnutzung Lehrmodul HES-SO (Dez. 2025)
Warum dieser Bot existiert
Der LoetschenCareBot wurde nicht gebaut, weil sich die Welt Richtung KI gewandelt hat. Er wurde gebaut, weil betreuende und pflegende Angehörige die am stärksten belastete und am wenigsten unterstützte Gruppe im Schweizer Gesundheitswesen sind.
600.000 Menschen betreuen und pflegen in der Schweiz Angehörige. Seit 2024 haben sie neue Rechte — Entschädigungen, Urlaubsansprüche, AHV-Gutschriften. Die meisten wissen es nicht. Die Informationen sind komplex, kantonal fragmentiert, kaum zugänglich.
Wer tagsüber im Job Verantwortung trägt, die Kinder von der Schule abholt und abends erschöpft ist — der will sich nicht durch Seiten klicken. Die Frage, die um 23 Uhr auftaucht, bleibt bis morgen offen.
Das Lötschental hat bewiesen, dass es funktioniert.
Was wirklich gefragt wird
Jede Frage wurde einzeln klassifiziert (GPT-4o, n=2'335) — nach Thema und nach Relevanz für das AVALEMS-Strategieziel «Optimierung der Information von Familien über die Finanzierung».
Darstellung bereinigt (Top-5 Themen). Vollständige Analyse: loetschencarebot.com/analysis
Die Begleitreise
So begleitet der Bot — von der ersten Sorge bis zum letzten Gespräch.
«Ich mache mir Sorgen, aber ich weiss nicht, wo ich anfangen soll.»
Die meisten Gespräche beginnen lange vor der Krise. Jemand merkt, dass die Eltern langsamer werden. Der Bot ist da — für Vollmachten, Patientenverfügungen, und für all das, worüber in der Familie noch nicht gesprochen wurde.
«Ich weiss, dass ich Hilfe brauche — aber ich kenne das System nicht.»
Spitex, Pro Senectute, AHV-Gutschriften, kantonale Entlastungsangebote — das Schweizer Versorgungssystem ist gut, aber undurchschaubar. Der Bot navigiert. Ohne Wartezeit, ohne Formulardschungel.
«Ich liebe sie — aber ich bin erschöpft. Und gleichzeitig schuldig, das zu sagen.»
Die Pflege wird Routine. Die Kinder müssen abgeholt werden. Der Job läuft weiter. Abends ist man leer. Die Fragen kommen um 23 Uhr, wenn niemand mehr erreichbar ist. Der Bot ist dann da.
«Ich schaffe das nicht mehr. Und ich kann es niemandem sagen.»
In 313 Momenten — wenn die Kraft nachlässt, wenn der Schlaf fehlt, wenn die Trauer schon beginnt, obwohl die Person noch lebt — war der Bot da. Zuhörend. Nicht bewertend. Und mit konkreter Hilfe.
11 Gespräche wurden als kritisch erkannt — sofort, direkt, ans Betreuungsteam weitergeleitet. Die KI erkennt ihre Grenzen.
«Wie spricht man über das, worüber niemand sprechen will?»
55 Gespräche über das Schwerste. Leise. Behutsam. Da. Der Bot hält aus — auch wenn keine Antwort helfen kann. Auch wenn es nur darum geht, nicht allein zu sein mit dem, was kommt.
Was es kostet
Die Schweiz hat ein gutes Beratungsnetz. Wir ersetzen es nicht — wir ergänzen es dort, wo es nicht hinreicht: nachts, am Wochenende, in dem Moment, in dem die Frage auftaucht. Der laufende OPEX beträgt unter CHF 70 pro Monat. Der eigentliche Aufwand steckt in der Entwicklung: 544 geprüfte Fragen, 92 verifizierte Institutionen, Schulung, Evaluation, Datenschutzprüfung. Infrastruktur ist billig. Wissen ist es nicht.
Was als nächstes kommt
Drei Instanzen laufen bereits. Die Infrastruktur ist bereit für weitere APHs — ohne grossen Mehraufwand, ohne grosse Kosten. Wer mitmachen will, ist willkommen.
Ein Projekt der HES-SO Valais-Wallis & APH St. Barbara Lötschental · gefördert durch AVALEMS & BAG